
Grundstück gesucht
8. Januar 2026Wie Fiora zu uns kam
- unsere erste Vereinsgeschichte
Es war Liebe auf den ersten Blick.
Als Tobias und ich (Christina) 2016 das Tierheim in den Bergen von Palermo betraten, hatten wir eigentlich nur eines vor: vier Wochen lang ehrenamtlich helfen. Füttern, sauber machen, unterstützen – mehr nicht. Wir hatten überhaupt nicht geplant, einen Hund mit nach Hause zu nehmen.
Unser Leben war zu diesem Zeitpunkt alles andere als geordnet: Wir hatten gerade unser Studium abgeschlossen, waren ein Jahr lang durch die Welt gereist, wussten nicht, wo wir nach unserer Rückkehr leben würden, welche Jobs uns erwarten – oder ob wir überhaupt direkt arbeiten wollten.
Ein Hund passte rational betrachtet so gar nicht in diesen Lebensabschnitt.
Und doch stand sie plötzlich da.
Zwischen etwa 35 bis 40 Hunden fiel uns Fiora sofort ins Auge. Klein, jung, mit einem Blick, der direkt ins Herz ging. Sie war damals etwa sechs Monate alt – neugierig, sanft und unglaublich anhänglich. Während viele Hunde laut bellten oder sich zurückzogen, suchte Fiora leise den Kontakt.
Ich war sofort schockverliebt.
Tobias hingegen blieb zunächst der rationale Part von uns beiden. Wie sollen wir das machen? Wo werden wir wohnen? Was passiert, wenn wir beide Vollzeit arbeiten? Können wir einem Hund wirklich gerecht werden?
Ich dagegen war mir innerlich längst sicher: Dieser Hund darf hier nicht bleiben.
Das Tierheim, in dem wir arbeiteten, war leider stark überlastet und chaotisch organisiert. Es wurde von einem älteren Herrn nahezu allein geführt. Es gab keine Webseite, keine geregelten Besucherzeiten, keine aktive Vermittlungsarbeit. In den vier Wochen, die wir dort verbrachten, wurde kein einziger Hund adoptiert – obwohl es so viele wunderbare Tiere waren.
Die Hunde lebten überwiegend in kleinen Zwingern mit sehr wenig Auslauf und kaum menschlichem Kontakt. Mehr als Füttern, Wasser hinstellen und Saubermachen war im Alltag schlicht nicht möglich. Für Streicheleinheiten, Spaziergänge oder Training fehlten Zeit und Kapazitäten.
Uns wurde schmerzlich bewusst: Viele dieser Hunde würden wohl ihr ganzes Leben dort verbringen ohne je ein liebevolles Zuhause zu finden.
Die entscheidende Wendung kam durch Natalia – heute unsere zweite Vorsitzende. Sie sagte ganz selbstverständlich:
„Nehmt sie mit. Wir schaffen das zusammen. Und wenn ihr arbeitet, passe ich auf sie auf.“
Dieser Satz veränderte alles. Aus einem „Vielleicht“ wurde ein „Wir machen das“.
Der Weg, Fiora nach Deutschland zu holen, war allerdings alles andere als einfach. Impfungen, EU-Bestimmungen, Papiere, Wartezeiten – die italienischen Behörden benötigten mehrere Monate, bis alles reisefertig war. Drei Monate später flog ich erneut nach Sizilien, um Fiora endlich abzuholen.
Es war Januar 2017. In den Bergen rund um Palermo kam der erste Schnee. Kälte, Regen, Niesel. Fiora – extrem kälteempfindlich – zitterte, als ich sie sah. Die Hunde schliefen dort nachts draußen in kleinen Plastikhütten.
Ich nahm sie sofort mit ins Warme, wickelte sie in eine Decke – und wusste in diesem Moment: Sie ist angekommen.
Seit diesem Tag ist Fiora Teil unserer Familie.
Aber sie ist noch mehr als das.
Fiora ist der Grund, warum es heute diesen Verein gibt.
Schon lange vor dieser Begegnung war mir klar, dass Tierschutz ein Teil meines Lebens sein soll. Ich habe bereits früher im Tierheim Weinheim ausgeholfen, einfach weil ich Tiere liebe – insbesondere Hunde. Während unserer Reise durch Südostasien wurden wir zudem täglich mit massivem Tierleid konfrontiert: abgemagerte Hunde, Misshandlungen, völlige Gleichgültigkeit gegenüber tierischem Leben.
Monatelang das zu sehen, hinterlässt Spuren.
Fiora war der Moment, in dem aus diesem Gefühl eine Entscheidung wurde.
Heute ist sie nicht nur unser Hund, sondern auch das Maskottchen des Vereins – und symbolisch der Anfang von allem, was wir aufbauen möchten. Sie steht für zweite Chancen, für Verantwortung und für die Überzeugung, dass Veränderung möglich ist, wenn man bereit ist, hinzusehen und zu handeln.




